#obc17

28. Juli 2017: Am 23. war mein Geburtstag und das Open Base Camp der BayernSPD. War trotzdem dort und schildere hier meine Eindrücke.

Kaum hatten im Morgengrauen die letzten Raver das ehemalige MAHAG-Gelände in der Münchner Innenstadt verlassen, zogen schon die ersten SPDler ein, um alles für das „Open Base Camp“ bzw.  #obc17 herzurichten. Die Industriehalle sah am Ende tatsächlich ein bisschen nach Camp aus und bot genau den richtigen Rahmen für ein Vorhaben, das es so in der BayernSPD noch nicht gegeben hat.

Hier ein paar Stühle im Rund, dort ein paar Biertische und Bänke und ein Aufsteller mit der Inschrift „Stammtisch“. Ein bisschen Technik, Laptop, Flipchart, Stellwände, Farbsprühdosen und, nicht zu vernachlässigen, kostenlos Fingerfood und Getränke. Die neue Landesvorsitzende Natascha Kohnen hatte schon im Vorfeld zu ihrer Wahl immer wieder angekündigt, dass sie neue Wege einschlagen werde, einen anderen Politikstil etablieren wolle und den jüngeren Mitgliedern und an Politik Interessierten mehr Gestaltungsmöglichkeiten geben wolle. Das alles bot #obc17. Unterstützt wurde Kohnen von ihrer Stellvertreterin Johanna Uekermann und Generalsekretär Uli Grötsch.

Die drei nahmen sich beim Camp Zeit für die verschiedenen Aktionsmöglichkeiten und Zeit für jeden einzelnen, der sie ansprach. „Ihr könnt die SPD in Bayern verändern“, sagte Kohnen. In den letzten Monaten konnten die bayerischen Sozialdemokraten über 2.000 neue Mitglieder gewinnen. Mehr als 40 Prozent davon sind unter 35 Jahre alt. „Diese Neumitglieder wollen wir in der SPD willkommen heißen und mitnehmen“, erklärte Kohnen.

Zuhören und beobachten war an diesem Tag wichtig für Bundestagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete und Landesvorstandsmitglieder. Diskutieren, ihre Talente einbringen, neue Wege aufzeigen – das sollten die Teilnehmer, die aus ganz Bayern angereist waren. Man spürte von Anfang an ein Knistern und eine angenehm gespannte Atmosphäre. Es dauerte zwar, bis die Leute damit zurechtkamen, dass es keinen Moderator, keinen Diskussionsleiter oder sonst eine Person gab, die lenkend eingriff, doch nach kurzer Eingewöhnungsphase liefen die Stationen gut an. Die Akustik in der Halle war ein bisschen schwierig, kurzerhand packten einige ihre Klappstühle und gingen nach draußen. Es gab keine starren Vorgaben, alles war möglich, alles konnte ausprobiert werden, Feedback gab es sofort von den Teilnehmenden.

Einige wollen sich überlegen, wie WhatsApp für den Tür-zu-Tür-Wahlkampf im Internet intensiver genutzt werden könnte, wollen Social Media für die bayerische SPD weiter ausbauen. „Ob auf WhatsApp, XING, Snapchat oder Facebook, wenn an einem Abend 1.000 Genossinnen und Genossen jeweils zehn Menschen anschreiben, haben wir schon 10.000 Kontakte geknüpft“, rechneten die Teilnehmer hoch. In der Fotobox gab es ein Selfie mit Martin Schulz (leider nur aus Pappe) zum Ausdrucken und Mitnehmen, versehen mit einem selbstgewählten Statement. Videos drehen, Graffiti sprühen, Plakate und Slogans entwerfen, es war vieles möglich.

Spontan und flexibel sein, Ideen nicht lange hin- und herwälzen, einfach mal loslegen, so könnte man die Aktionen beschreiben. Sich mal bei der einen Gruppe dazusetzen, irgendwann Thema und Teilnehmer wechseln, mal beim Kaffee neue Leute kennenlernen. Es reichte die Frage: „Wo kommst du her?“ und schon war man im Gespräch. Und wer ein wenig Pause brauchte, konnte sich an der Tischtennisplatte versuchen. Zuschauer waren einem gewiss und schon hatte man neue Kontakte geknüpft. „Wenn ich mir da unsere Parteitage anschaue“, sagte einer der Teilnehmer aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, „dann hab ich hier eindeutig mehr Spaß!“ Andere wollen Open Base Camps vor Ort durchführen: „Dieses Format brauchen wir auf allen Ebenen, auch in den Ortsvereinen.“

An der einen oder anderen Stelle hätte zwar ein sanft eingreifender  Moderator ganz gut getan, der vielleicht auch noch Gedanken und Ideen hätte aufschreiben können, doch insgesamt war es gerade dieser offene Charakter, der es allen so leicht machte, sich einzubringen und neue Ideen zu entwickeln, ohne sofort mit „Gegenwehr“ rechnen zu müssen. Alle Beiträge erfuhren Wertschätzung und nun ist es an der BayernSPD mit dem neu gewählten Präsidium und Landesvorstand, die Ergebnisse zu sortieren und umzusetzen. Denn nichts wäre schlimmer, als hochmotivierte und politisch interessierte Menschen zu solch einem Event einzuladen und am Ende nichts daraus zu machen. Damit würde sich eine Wiederholung erübrigen und wenn man den Posts und Kommentaren auf Facebook und den Twitter-Einträgen glauben darf, dann würden sich die meisten eine Wiederholung wünschen. „Gut gemacht und bitte wiederholen“, hieß es von allen Seiten.

Viele der rund 300 Teilnehmer freuten sich, dass sie einfach mal ungezwungen neben einem Abgeordneten sitzen konnten und der sich Zeit zum Reden nahm. Dann noch schnell ein gemeinsames Foto in den sozialen Netzwerken hochgeladen und schon hatten alle was davon –  die Partei, der Abgeordnete und jeder, der da dabei war. Die Zukunft der SPD in Bayern wird moderner, das steht nach dem ersten Open Base Camp fest und vielleicht bleiben die Raver beim nächsten Mal gleich da und machen mit.