Metropolkonferenz im Landkreis

28. Juli 2016: Metropolkonferenz der Europäischen Metropolregion München im Kloster Thierhaupten im Landkreis Augsburg und vorher noch Besuch bei SGL Carbon in Meitingen. Es ging um Mobilität, war aber noch ziemlich unkonkret und hat mich nicht sonderlich überzeugt. Ist sicher keine leichte Aufgabe, etwas für München, Augsburg und Ingolstadt auf die Beine zu stellen und die ländlicheren Regionen auch mit einzubeziehen. Da muss noch mehr kommen als das, was heute präsentiert worden ist. Interessant fand ich das Versuchslabor für Drohnenmobilität auf dem Fliegerhorst in Kaufbeuren. Ein Satz ist mir im Gedächtnis geblieben: „Macht Mehr Miteinander!“ Das kann sicher nicht schaden, ist aber bei der Vielschichtigkeit und Unterschiedlichkeit der Region schwierig. Die reicht nämlich vom Landkreis Eichstätt im Norden bis zum Landkreis Garmisch-Partenkirchen im Süden, vom Landkreis Augsburg im Westen bis zum Landkreis Altötting im Osten – da ist es schwer, ein Gefühl zu entwickeln, dass alle unter einem Dach vereint sind. Das Ganze ist sehr München-lastig.

Mein Artikel dazu in der „Demo“:

„Europäische Metropolregion München“ (EMM), der Titel klingt gut, wenn man echter Münchner ist, für die anderen Mitglieder im Verein ist der Titel eher ein Problem. Wer identifiziert sich schon mit der bayerischen Landeshauptstadt, wenn er selber in Augsburg, Ingolstadt, Landshut oder Rosenheim wohnt? Aber heutzutage muss großräumig gedacht werden, befindet sich die EMM doch in Konkurrenz zu anderen europäischen Metropolregionen und im internationalen Vergleich kann man sowieso nur noch in größeren Räumen bestehen. Doch wer nimmt Notiz von der EMM? Was macht die EMM? Einmal im Jahr treffen sich Vertreter aus allen Winkeln Südbayerns zur Metropolkonferenz, um zu prüfen, an was gearbeitet wird, um sich zu vernetzen. Dieses Mal war der Landkreis Augsburg Gastgeber und man kam im Kloster des Marktes Thierhaupten, einer ehemaligen Benediktinerabtei, zusammen.

Die Metropolregion München sei einer der erfolgreichsten Wirtschaftsräume Europas, ist auf der Homepage des Vereins zu lesen. Sie reicht von Eichstätt im Norden bis Garmisch-Partenkirchen im Süden und von Dillingen an der Donau und dem Ostallgäu im Westen bis nach Altötting im Osten. Auf über 25.000 Quadratkilometern leben mehr als fünfeinhalb Millionen Menschen. Die Ausmaße sind riesig und die Struktur vielfältig. Hier einen Gleichklang hinzubekommen oder gar ein Gefühl der Identifikation, ist äußerst schwierig. Das wurde auf der Konferenz in Thierhaupten schnell klar. Eingeladen wurde unter dem Motto: Mobilität in der Metropolregion. Anspruch und Wirklichkeit. – Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Mobilitätskonzept für Stadt und Land.

Große Skepsis unter den Teilnehmern machte sich breit, als von einem Dachtarif die Rede war. Ziel ist ein ÖPNV-Tarif für die gesamte Region, zahlbar mit einer einzigen Karte. Einmal im Monat soll die Abrechnung erfolgen und neben Bus und Straßenbahn und Zug soll  beispielsweise auch Carsharing mit einbezogen werden. Derzeit arbeiten Gutachter an konkreten Zahlen, bis Dezember sollen Ergebnisse vorliegen und vorgestellt werden. Kommunalpolitiker und Landräte haben da so ihre Bedenken, sehen sie doch schon in ihren eigenen regionalen Tarifverbünden große Probleme bei den Tarifstrukturen und der Anbindung ländlicher Räume. Es geht aber nicht unbedingt darum, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel günstiger zu machen, sondern im Moment vielmehr darum, es einfacher zu machen. Das Studieren verschiedener Tarifstrukturen mit all ihren Ausnahmen und Eigenheiten soll entfallen.

Aber Mobilität ist mehr als ein flächendeckender Tarif. Elektromobilität scheint die Zukunft zu sein. Und die müsse man im wahrsten Sinne des Wortes „er-fahren“. Deshalb waren bei der Konferenz auch Elektroautos, E-Bikes und Segways zum Anfassen und Ausprobieren dabei. Die EMM will beim Thema Elektromobilität auch diejenigen erreichen, die viel im Auto sitzen und bisher zu wenig solcher E-Fahrzeuge benutzen: zum Beispiel Taxifahrer und Fahrlehrer. Von denen hätten bisher nur weniger als ein Prozent Elektromobilität getestet, hieß es.

In Zusammenarbeit mit Hochschulen und Universitäten aus dem Gebiet der EMM sollen Ideen junger Menschen Niederschlag in den Konzepten finden. Eine Projektidee ist ein Radschnellweg (weniger Kreuzungen und Ampeln, breitere Radwege) durch München, vielleicht sogar über die Stadtgrenzen hinaus. Dieser könnte zu Zeiten des Berufsverkehrs die Straßen entlasten, genauso wie Lastenbikes, die in größeren Städten schneller vorankommen als beispielsweise Servicefahrzeuge von Handwerkern. Ein Projekt auf dem Fliegerhorst in Kaufbeuren beschäftigt sich mit der Drohnenmobilität. Die könnte, wenn der Versuch erfolgreich verläuft, ebenfalls Entlastung im Straßenverkehr bringen. Auch das autonome Fahren wird in den nächsten Jahren Fahrt aufnehmen und muss in die Überlegungen mit einbezogen werden.

„Macht Mehr Miteinander!“ steht als Motto für die Europäische Metropolregion München. Das ist eine Chance, die die Mitglieder nutzen sollten und an der sie mitarbeiten sollten, trotz aller Bedenken. Denn wenn es um internationale Beziehungen geht, dann kennt man München in aller Welt und von dessen guten Ruf können alle Mitglieder profitieren, trotz ihrer eigenen Identität und regionaler Eigenheiten. Die vielen hochwertigen Arbeitsplätze in Südbayern, das hohe kulturelle Angebot und die landschaftliche Schönheit sind zusammengenommen wichtige Faktoren für eine hohe Lebensqualität und Attraktivität. Die Plattform EMM für die Vernetzung von Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, für Städte und Landkreise, für die gesamte Bevölkerung – das ist eine Idee, die aus dem Planungsstadium heraus jetzt Ergebnisse liefern muss. Noch ist vieles zu abstrakt, es ist an der Zeit, konkreter zu werden.

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