Emanzipation mit Koran möglich?

19. März 2016: Emanzipation und Islam – unvereinbar? Im ersten Moment lautet die reflexartige Antwort Ja, denn muslimische Frauen werden doch zwangsverheiratet, arbeiten als Haussklavinnen, warten nur auf die Befehle ihrer Männer und Brüder. Aber ist das wirklich so? Nein, denn genauso wenig wie es die typisch katholische Deutsche gibt, genauso wenig gibt es die typisch muslimische Türkin. Es gibt sie, die fremdbestimmten Frauen, die kaum Kontakte pflegen (dürfen), aber genauso gibt es erfolgsorientierte Frauen, die Karriere machen wollen, solche, die viel Geld in ihre Schönheit stecken, bodenständige zupackende Frauen –die Palette ist breit gefächert und die Unterschiede zwischen Muslimas, die oft schon in vierter Generation in Deutschland leben, und deutschen Frauen ohne Migrationshintergrund sind gar nicht so groß. Ihre Freiheit mussten sich Frauen immer schon überall erkämpfen und so ist es bis heute geblieben. Muslimas haben zwar noch aufzuholen, aber sie sind auf dem besten Wege, zu emanzipierten und selbstbewussten Frauen zu werden, ihr Glaube lässt das ohne Weiteres zu. Darüber hat die deutsche Autorin Sineb El Masrar zwei Bücher geschrieben: „Muslim Girls“ und „Emanzipation im Islam. Eine Abrechnung mit ihren Feinden“. Die Tochter marokkanischer Eltern kam auf Einladung des BayernForums der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und der Stadtbibliothek Gersthofen ins dortige Ballonmuseum und las aus den beiden Büchern vor. Bei der anschließenden Diskussion wurde schnell klar, dass junge Muslimas auf Identitätssuche es in Deutschland schwer haben, als Teil dieser Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Verständnis füreinander, egal ob Frau mit oder ohne Migrationshintergrund und egal mit welchem Pass, das würde allen helfen, darüber waren sich am Ende des Abends die Gäste zusammen mit Manuela Schnierle (Integrationsbeauftragte in Langweid mit über 60 Nationen im Ort), Ellen Diehl (FES), Sineb El Masrar und Berat Akbulut (Frohsinn Bildungszentrum Augsburg, von links) einig.

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