„Wer sich kennt, zündelt nicht!“

9. Februar 2016: Die KreisSPD setzt auf ein Miteinander in den Gemeinden statt auf eine Obergrenze und hat dazu eine Pressemitteilung verfasst:

Angesichts der jüngsten russischen Luftangriffe ist es unwahrscheinlich, dass die Flüchtlingsströme aus Syrien und anderen Ländern bald versiegen. Das Augsburger Land wird nach Meinung der Sozialdemokraten im Landkreis auch in diesem Jahr mit gleichbleibend hohen Flüchtlingszahlen rechnen müssen. Der Ruf nach einer Obergrenze für Flüchtlinge oder einem möglichen Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie jüngst von Landrat Martin Sailer gefordert, wird nichts Wesentliches ändern und wird von der KreisSPD abgelehnt. Kreisvorsitzender Roland Mair fordert Martin Sailer vielmehr auf, die Herausforderungen, wie bisher schon, konstruktiv zu lösen. Der Unterstützung der SPD kann Sailer sich dabei sicher sein.

Ruhe in die Frage der Unterbringung der wöchentlich 60 eintreffenden Flüchtlinge zu bringen wäre ein wichtiger Schritt. „Noch immer verweigern sich Gemeinden aus unterschiedlichsten Gründen leider der Aufnahme von Asylbewerbern“ kritisiert die stellvertretende Vorsitzende Annette Luckner. Rechnet man bisherige Zahlen hoch, so werden im Landkreis auf Dauer rund 8000 Menschen (derzeit leben im Landkreis ungefähr 3000 Asylbewerber) unterzubringen sein. Für heuer kann bei wöchentlich 60 neu Ankommenden mit weiteren 3000 Personen übers Jahr verteilt gerechnet werden. Der Landrat müsse die Bürgermeister in die Pflicht nehmen, auch wenn Unterbringungsmöglichkeiten knapper werden und der Aufwand zunimmt. „Die Unterbringung in Fabrikhallen und Schulturnhallen ist eine Notlösung, aber auf Dauer für die Menschen nicht tragbar“, unterstreicht Mair die Forderung nach menschenwürdiger Unterkunft.

Zwar werde immer wieder darauf hingewiesen, dass das ehrenamtliche Engagement in der jetzigen Intensität auf lange Sicht nicht aufrechterhalten werden könne, jedoch sei im Landkreis bei den höchst engagierten Ehrenamtlichen bisher kein Rückgang der Motivation zu spüren, sind sich Luckner und Mair einig. In den Gemeinden wurden effektive Organisationsstrukturen aufgebaut, vielerorts verhindern Integrationsbeauftragte als Mittler zwischen Helfern und Ämtern unnötigen Leerlauf. „Der Antrag der SPD im Kreistag auf professionelle Unterstützung der Ehrenamtlichen durch Asylkoordinatoren hat sich als goldrichtig erwiesen“, so Luckner.

Die beste Integration in die Gesellschaft ist die deutsche Sprache und in diesem Bereich muss effizienter gearbeitet werden. In Krippe und Kindergarten lernen die Kinder Deutsch und erleben ein selbstverständliches Miteinander verschiedener Kulturen. „Leider reichen die Plätze nicht aus, es gibt oftmals Wartelisten für die wenigen freien Plätze“, bedauert der Kreisvorsitzende Mair.

Für die erwachsenen Asylbewerber sind Deutschkenntnisse die Eintrittskarte in den Arbeitsmarkt. Die Untätigkeit während des langen Asylverfahrens setzt den Asylbewerbern zu, in Stadtbergen und anderen Gemeinden war die Beschäftigung von Flüchtlingen zum Beispiel im Bauhof eine gute Erfahrung, schildert Roland Mair. Auch die Integration in Sportvereine hat bewiesen, dass sie Flüchtlingen helfen kann, sich besser einzuleben. „Gleichzeitig bekommen Bürgerinnen und Bürgern dort unkompliziert Kontakt zu ihren neuen Mitbürgern“, betont Annette Luckner.

„Integration muss in den Gemeinden gelingen, dort lebt man Tür an Tür“, sagen die beiden KreisSPDler und fügen einen provokanten, aber wahren Satz hinzu: „Wer persönlich Asylbewerber kennt, wer ihre Schicksale erzählt bekommen hat, der zündelt nicht – nicht im übertragenen Sinn und schon gar nicht im wörtlichen Sinn!“