Volkstrauertag als mahnende Erinnerung

16. November 2014: In Oberschöneberg und Grünenbaindt durfte ich als Vertreterin des Marktes die Rede zum Volkstrauertag halten, für mich eine Ehre:

Es herrscht Krieg auf der Welt – nicht bei uns, aber in vielen Gebieten. Und wir, wir fühlen uns sicher in Europa. Aber für viele Menschen ist ihre Heimat nicht mehr sicher, sie sind auf der Flucht. Haben in ihren Heimatländern Not, Elend und Verfolgung erlebt, etwas, was es in Deutschland schon lange nicht mehr gibt. So eine lange Periode des Friedens, wie wir sie in Deutschland erleben, hat es noch nie gegeben, dessen sollten wir uns bewusst sein, obwohl sich manch einer noch an Krieg und Vertreibung erinnern kann und aus Geschichten der Eltern und Großeltern davon weiß. Daran erinnert auch dieser Volkstrauertag. Und weil unsere Vorfahren gelitten haben, im Krieg gefallen sind, vertrieben worden sind, in unserer Region aber Gott sei Dank eine neue Heimat gefunden haben, ist es auch unsere Pflicht, den heutigen Flüchtlingen eine neue Heimat zu geben. Menschlichkeit, Nächstenliebe, Verantwortung, Toleranz – es gibt viele Gründe dafür. Auch wir tragen Verantwortung für das, was in den Krisen- und Kriegsgebieten dieser Welt passiert, auch wir als Deutsche, als Europäer haben dazu beigetragen und können die Folgen nicht einfach ignorieren. Darum ist es unsere Pflicht, Flüchtlingen zu helfen, wie auch uns und unseren Vorfahren geholfen worden ist. Das Schicksal ist oft grausam, aber wir können dazu beitragen, dass manch ein Mensch wieder eine Zukunft für sich sieht und nicht nur verzweifelt ist und keinen Sinn mehr im Leben sieht. Dieser Volkstrauertag ist wichtig. Zum Gedenken an die, die im Krieg ihr Leben lassen mussten, zum Gedenken an die, die vermisst sind, die fliehen mussten aus ihrer Heimat, zum Gedenken an die Hinterbliebenen, die mit dem schweren Schicksal fertig werden mussten – und wie ich finde, auch zum Gedenken an die, denen es am heutigen Tag so geht, wie es unseren Vorfahren gegangen ist. Mahatma Ghandi hat einmal gesagt „Was mit Gewalt erlangt worden ist, kann man nur mit Gewalt behalten“. Krieg ist keine Lösung – dass es nicht mehr so weit kommt, dafür tragen wir alle Verantwortung. Das müssen wir an nachfolgende Generationen weitergeben. Dazu gehören Zivilcourage und Mut, beides müssen wir haben und daran erinnert dieser Volkstrauertag.